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Ueber uns und Finca Girasol

Christoph F. Meier


Von der Landwirtschaft wird immer stärker gefordert zu rationalisieren wie es die Industrie macht. Dabei wird ein fundamentaler Unterschied übersehen: Das Produktionskapital in der Industrie, welches die Arbeitskraft fast unendlich zu vervielfachen vermag, unterliegt einem Verschleiss, muss abgeschrieben und ersetzt werden. Das „Produktionskapital“ in der Landwirtschaft ist die Natur, sind Böden, Pflanzen, Tiere. Sie verlieren ihren Wert nicht, sondern können ihn sogar steigern, wenn man „Natur-gemäss“ mit ihnen umgeht. Dazu braucht es liebevolle Zuwendung, in die die ganze Familie einbezogen ist. Es gibt kaum eine Trennung zwischen Privatleben und Arbeit - deshalb beziehe ich auch Persönliches in unsere Geschichte ein.





Ich begegnete meiner Lebensgefährtin Annelien 1960 auf der biodynamischen Landwirtschaftsschule “Warmonderhof” in Holland. Nach unserer Heirat führten wir verschidene Höfe mit sozialpädagogischen Gemeischaften in der Schweiz. 1975 emigrierten wir mit unseren vier Kindern in die USA, wo wir in Harlemville, im Staat New York einer neugegründeten “Farm-School”-Gemeinschaft anschlossen. Die180 ha „Hawthorne Valley Farm“ wurde als ein diversifizierter Hoforganismus mit Lehrlingsausbildung aufgebaut. Die Milch von 55 Kühen wurde zu Joghurt und Käse verarbeitet, das Getreide in der eigenen Mühle zu Mehl für die Hofbäckerei gemahlen. Gemüse und die verschiedenen Hofprodukte wurden im Hofladen und auf den Farmers-Markets in New York verkauft.

Der Einstieg in die tropischer Lanwirtschaft begann 1989 mit Beratungs- und Zertifizierungsbesuchen in Mexiko und der Dominikanischen Republik, was 1994 zur Gründung der Exportfirma Horizontes Organicos und Finca Girasol führte. Der Erfolg war möglich durch das ausserordentliche Glück, ein gutes und zuverlässiges lokales Leitungsteam im Tal von Azua zu finden. 120 km westlich von Santo Domingo an der karibischen Küste, konnte zunächst ein 60 ha-Grundstück gekauft werden. Mit der Zeit wurde Finca Girasol mit zusätzlichem Landkauf sowie Wohn-, Büro-, Lager- und Werkstattgebäuden erweitert . Heute werden 180 ha, wovon 70 ha mit Bananen auf drei verschiedenen Grundstücken, bewirtschaftet.


Die Finca liegt an einem flachen Südhang zwischen Cordillera Central und dem Karibischen Meer, in 10 km Distanz von der Küste entfernt.

Das Klima ist sehr heiss und trocken, die ursprüngliche Vegetation bestand überwiegend aus strauchartiger, stacheliger Vegetation der Trockenzone wie Akazien, Mimosen und Kaktus, was nur Ziegen- und Bienenhaltung sowie Kohlenbrennen erlaubte. Erst der Bau eines Kanalistionssystems 1983 machte eigentliche Landwirtschaft möglich.

Nach dem Räumen des Landes von Steinen und Gesträuch wurden 30 ha der besten Böden mit Bananen bepflanzt, zum Teil mit Zwischenpflanzungen von Mangos und Randbepflanzungen mit verschiedenen Frucht- und Kokosnussbäumen. Die restlichen 30 ha wurden als extensive Strauchweiden belassen. Die biodynamischen Massnahmen wurden von Anfang an angewendet, was zur Demeter-Zertifikation führte.

Eine Herde von 40 Rindern, eine Kreuzung von Braunvieh und Zebu, wurde als Grundlage einer eigenen Düngerbasis gezüchtet. Die Kühe werden extensiv gehalten, nur einmal morgens von Hand gemolken, danach werden sie mit den Kälbern tagsüber geweidet, die Jährlinge weiden frei in den Bananenpflanzungen. Ausser Grass- und Sträucherweide werden die Tiere mit Auschussbananen zugefüttert, die Milch wird lokal verkauft. Pferde, Schweine, Geflügel werden von Fincaarbeitern gehalten.



Der Bananenanbau ist sehr arbeitsintensiv. Wir rechnen mit eineinhalb Arbeitskräften pro Hektar, also etwa 40 Arbeitern auf Finca Girasol. Diese Menschen wohnen in benachbarten Dörfern, einige auf der Finca. Die schwere Feldarbeit ist Männersache, die Sortierung und das Packen der Ernte wird von Frauen geleistet. Biologisch angebaute Bananen sind ausgezeichnet zur Bildung einer dauerhaften Bodenfruchtbarkeit. Durch die permanente Beschattung des Bodens, die Feuchtigkheit und die grossen Mengen von organischen Blatt- und Stammrückständen werden die bodenaufbauenden Organismen wie Würmer, Insekten und Pilze befördert.

Es dauert etwa 9 Monate bis ein neu gepflanzter Wurzelstock den ersten Fruchtstamm trägt. Nach dem Ernten des Fruchtstammes wird auch die Mutterpflanze abgeschnitten und zur Verrottung im Feld gelassen. Neue Tochterschösslinge sind dann schon in voller Entwicklung, sodass der Boden ständig beschattet bleibt. Es ist sehr wichtig, dass die Frucht im richtigen und gleichen Reifegrad geerntet wird. Um dies zu kontrollieren, wird die neue Frucht nach der Blüte mit einem Band gekennzeichnet dessen Farbe wöchentlich gewechselt wird. Es dauert 8-11 Wochen nach der Blüte bis der Fruchtstamm geerntet und in der Packstation gewaschen, selektioniert und verpackt wird. Die Bananen sind dann noch grünreif, da sie sonst nicht transportiert werden könnten. Die Reifung wird erst etwa 10 Tage vor dem Konsum eingeleitet.




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Hawthorne Valley Farm

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